Im Dünndarm wird die aufgenommene Nahrung in ihre Bestandteile aufgespalten und vom Körper aufgenommen. Um dafür eine genügend große Oberfläche zu schaffen, ist der Darm mit sogenannten Zotten ausgekleidet. Bei Zöliakie/Sprue entzündet sich nach Zufuhr von Gluten diese Darmschleimhaut und die Zotten werden flacher. Bei andauernder Glutenbelastung ist der Oberflächenverlust so groß, daß nicht mehr genug Nahrungsbestandteile vom Körper aufgenommen werden können und Mangelerscheinungen an allen Organen auftreten. Bei schon geringster Einnahme von Gluten erhöht sich das Risiko einer bösartigen Geschwulstbildung (Erkrankung an Krebs) dramatisch.
Vorgewölbter Bauch
Körpergewicht unterhalb der Altersnorm
Depressionen
Schlaffe Muskulatur
Blässe
Massige, glänzende und übelriechende Stühle
Häufige Stuhlentleerung, dünner, aber auch fester Stuhl
Erbrechen
Mißmutigkeit, Weinerlichkeit
Appetitlosigkeit
Schmelzdefekt an den Zähnen
Wachstumsstörungen
Achtung: Es sind nicht alle Symptome immer gleichzeitig da. Ihr Auftreten ist z. B. abhängig vom Alter des Patienten. Es gibt auch Patienten, die nur ein Symptom haben.
Die eindeutige Diagnose Zöliakie/Sprue kann nur aufgrund einer Dünndarmbiopsie gestellt werden. Dabei wird eine Sonde über Mund, Speiseröhre und Magen in den Dünndarm vorgeschoben. Durch Absaugen in eine 2 mm große Öffnung der Kapsel wird schmerzlos ein kleines oberflächliches Schleimhautstück entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann während einer Magen- und Darmspiegelung (Gastro-Duodenoskopie) durch das Gerät eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Die heute verwendeten Instrumente sind absolut zuverlässig, in geübten Händen auch so sicher und für den Patienten so wenig belastend, dass eine Dünndarmbiopsie als minimal invasiver Eingriff betrachtet werden muß.
Nur durch eine streng glutenfreie Ernährung gewinnt die entzündete und abgeflachte Dünndarmschleimhaut ihre normale Gestalt und Funktion zurück, schon bei kleinsten Glutenmengen setzt die Schädigung erneut ein! Selbst der Weissbrotkrümmel an der Brotmaschine zerstört den Erfolg einer absolut glutenfreien monatelangen Diät, mit der Folge, dass die Darmzotten sich nicht mehr regenerieren und schwere Folgekrankheiten nach sich ziehen.
Solange die glutenfreie Ernährung strikt eingehalten wird, lebt der Zöliakie-Betroffene in der Regel beschwerdenfrei. Es gibt keine andere Möglichkeit zur Behandlung der Zöliakie. D. h. der Betroffene muß seine Ernährung und seine Lebensweise grundlegend umstellen.
Subjektive Beschwerdefreiheit bei Verstoß gegen die Diät bedeutet keineswegs, daß die glutenfreie Ernährung aufgegeben werden darf. Oft treten die merkbaren Beschwerden unter glutenhaltiger Kost sehr spät auf, manchmal erst nach Jahren, auf. Spätfolgen nach absetzen der Diät können zu schwerer Krankheit führen, die dann einer Heilung wesentlich schlechter zugänglich ist. Bei schon geringster Einnahme von Gluten erhöht sich das Risiko einer bösartigen Geschwulstbildung dramatisch.
Auszüge aus "Die Zöliakie" von Prof. Dr. H. K. Harms, Kinderklinik der Universität München und "Leben mit glutenfreier Ernährung" von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e. V.